INTERESSENVEREIN der DIALYSEPATIENTEN und NIERENTRANSPLANTIERTEN LEIPZIG e.V.

-  gemeinnütziger Verein  -



Vereinsnachmittag: Besuch im Stasi-Archiv

Jeder Spitzel hat seinen Spitzel!

Der Treff zu unserem Vereinsnachmittag am 23.02.2011 befand sich in der ''Runden Ecke''. Für alle, die nicht wissen, was die ''Runde Ecke '' ist, es war der ehemalige Sitz der Bezirksverwaltung Leipzig (MfS). Dieses Gebäude wurde 1913 gebaut und als Versicherungsanstalt genutzt. Im 2. Weltkrieg nutze es wahrscheinlich die Gestapo. Seit Anfang der 50er Jahre bis 1989 blieb es der Sitz der Staatssicherheit. 

Am Anfang der Führung sahen wir einen Kurzfilm über die Macht der friedlichen Revolution, welche ja in Leipzig begann. Herr Buczek, ein Mitarbeiter des Stasiarchives, führte uns nun durch die einzelnen Abteilungen. In der Abteilung ''Kartei'' befinden sich laut Aussage 1,8 Millionen Personen und Spezialkarteien.

Jeder Vorgang wurde unterschiedlich registriert und mit vielen MfS- spezifischen Kurzformen versehen, damit fremde Spitzel die Akten nicht entschlüsseln können. Allein in der zentralen Personenkartei sind über 300.000 Namen von Menschen verzeichnet, die für die Stasi interessant waren. Durch Herrn Buczek erfuhren wir, dass schon Schüler der 9. Klassen für Bespitzelungen angeworben wurden, das schockierte uns.

Hochinteressant war die Abteilung ''M''= Postkontrolle,  welche verdächtige Post und Pakete vom Bahnpostamt für 12 Stunden zur Überprüfung und für Schriftproben kommen lies. In dieser Abteilung wurden die Post auf verschiedenste Weise geöffnet, so wechselte dabei der eine oder andere DM-Schein den Empfänger. Damit wurde höchstwahrscheinlich der Original UHU-Kleber ''eingekauft'' , welcher zum Wiederverschließen der Briefe verwendet wurde, um die erfolgte Bespitzelung zu vertuschen. 

Auch aus Paketen wechselten einige diverse Sachen den Besitzer. Viele wussten von Bespitzelungen und reagierten darauf, z.B. indem sie folgenden Wortlaut außen auf dem Briefumschlag schrieben: ''Kümmert euch um euren eigenen Dreck! Ihr Arschlöcher! '' Selbst eine Strickanleitung, geschickt von West nach Ost, wurde als höchst verdächtig eingestuft und für eine verschlüsselte Nachricht gehalten.

Während der friedlichen Revolution zwischen 1989/90 beseitigte das MfS heimlich viele Dokumente, durch Verbrennen mit Flammenwerfern oder Vernichtung durch Einweichen von zerrissenen und geschredderten Akten. Durch Erstürmung und Besetzung der ''Runden Ecke'' wurde die Vernichtung der restlichen Akten gestoppt. Über 2.300 Säcke voller Papierschnipsel, zerstörter Filme, Fotos und Tonträger lagern in dem Archiv - bereit zur Rekonstruktion. 

Seit 1995 existiert in Zirndorf eine Projektgruppe für manuelle Rekonstruktion zerrissener Stasi-Unterlagen. Ca. 400 Säcke Papierschnipsel wurden bis zum heutigen Zeitpunkt wieder zusammen gepuzzelt. Noch existieren 112 km laufende Akten, die 4 Archivare und einige Helfer in Leipzig archivieren müssen. Laut Archivbehörde sollen bis 2019 alle Stasiunterlagen archiviert sein.

Das Archiv der Stasi bietet die Möglichkeit einen Blick in die Vergangenheit der DDR und dessen ständige Bespitzelung zu werfen.

H.Schl.


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